Ein persönliches Treffen zwischen Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und US-Präsident Donald Trump hat keine kurzfristige Rücknahme oder Reduzierung der US-Zölle zur Folge. Sheinbaum hatte Trump am 5. Dezember in Washington bei der Auslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft erstmals persönlich getroffen. Sie stellte die Fußball-WM 2026, die in Mexiko, den USA und Kanada ausgetragen wird, als Symbol auch für die wirtschaftliche Integration und das Fortbestehen des nordamerikanischen USMCA-Abkommens zwischen den drei Ländern dar.
Strategische Ausrichtung auf die USA seit drei Jahrzehnten
Seit dem Inkrafttreten des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA im Jahr 1994 hat sich Mexikos Exportwirtschaft strategisch auf den US-Markt ausgerichtet. Aktuell gehen 82 Prozent der mexikanischen Ausfuhren zum Nachbarn im Norden (2024 beliefen sich die Exporte in die USA nach Angaben der mexikanischen Regierung auf 512,5 Mrd. USD). Das sind 15 Prozent der gesamten US-Einfuhren. Mexiko ist derzeit der wichtigste Handelspartner der USA vor Kanada und China.
Auch viele deutsche Unternehmen haben in Mexiko eine Produktion aufgebaut, um von hier den Binnenmarkt sowie ausländische Märkte - hautsächlich die USA - zu beliefern. Waren zur Jahrtausendwende noch gut 1.000 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung registriert, so sind es heute 2.100.
Das NAFTA-Nachfolgeabkommen USMCA (in Mexiko als TMEC bekannt) hat aufgrund strikterer Anforderungen an die regionale Wertschöpfung v.a. im Automobilsektor die Lieferketten zwischen Mexiko und den USA noch enger aufeinander abgestimmt. Bei der Autofertigung gibt es Komponenten, die bis zu achtmal über die Grenze hin- und hergehen, bevor sie in das Endprodukt montiert werden.
Gesprächsklima "positiv", aber ohne Ergebnisse
Das aggressive Vorgehen von US-Präsident Donald Trump gegen seine nordamerikanischen Handelspartner ist für die Unternehmer verstörend. Denn noch bevor Trump Zölle auf Einfuhren aus anderen Weltregionen verhängte, setzte er einen pauschalen Zollsatz in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus Mexiko und Kanada in Kraft, die nicht die Ursprungsregeln des USMCA-Abkommens erfüllen. Er begründete den Strafzoll damit, dass Mexiko und Kanada nicht genug gegen die illegale Migration und den Handel mit illegalen Drogen täten. Er wandte also einen wirtschaftspolitischen Hebel an, um politische Forderungen bei den Handelspartnern durchzusetzen. Trotz aller Anstrengungen der Regierungen in Mexiko-Stadt und Ottawa ist dieser Strafzoll Ende 2025 weiterhin in Kraft. Das gilt auch dem ersten persönlichen Treffen von Sheinbaum mit Trump: Zwar bezeichnete die Mexikanerin das Gesprächsklima als „positiv“, aber Erfolge konnte sie nicht vermelden.
Neben den Strafzöllen kamen im Laufe des Jahres 2025 weitere Zölle auf Einfuhren aus Mexiko hinzu, darunter auf Stahl und Aluminium in Höhe von 50 Prozent sowie auf ein für Mexiko wichtiges Agrarprodukt, die Tomate. Die US-Seite begründet den Zoll mit einem angeblichen Preisdumping der mexikanischen Tomatenbauern.
Automobilindustrie: Sorge vor Zöllen auf chinesische Importe
Für die Automobilindustrie greift eine Sonderregelung: Autohersteller in Mexiko, die die USMCA-Ursprungsregeln erfüllen, können den in den USA erbrachten Fertigungsanteil zollfrei ausführen. Je nach Anteil von US-Komponenten greifen damit in der Regel US-Zölle in Höhe von 15 bis 17 Prozent auf die in Mexiko gefertigten PKW. Es gibt allerdings Hersteller, die den USMCA-Fertigungsanteil nicht erfüllen; für sie greift aktuell ein Zollsatz in Höhe von 27,5 Prozent (25 Prozent Strafzoll plus 2,5 Prozent WTO-Zollsatz).
Weiter verteuern könnte den Automobil-Standort Mexiko die Ankündigung der mexikanischen Regierung, die Zölle auf asiatische Einfuhren zu erhöhen. Das würde Komponenten etwa aus China, Vietnam und Südkorea verteuern. Die Hersteller drängen Mexikos Regierung, die entsprechenden Zolltarifnummern für Autokomponenten von der geplanten Erhöhung auszunehmen.
Grenzüberschreitende Lieferketten sind vital
Für die Automobilhersteller ist das USMCA-Abkommen somit aktuell praktisch obsolet. Sie brauchen Gewissheit über das Fortbestehen von USMCA, um über neue Investitionen in der Region entscheiden zu können. Der Verband der japanischen Hersteller JAMA beispielsweise, der 14 Marken in Nordamerika vertritt, drängt die Regierungen mit Blick auf die USMCA-Revisionsverhandlungen im Jahr 2026, die Investitionen der japanischen Autoindustrie in Höhe von 87 Mrd. USD zu schützen. Die Hersteller haben 42 Werke in Nordamerika: 25 in den USA, zwölf in Mexiko und fünf in Kanada. Der zollfreie Grenzverkehr in der Region, der auch die Zulieferteile einschließen müsse, sei vital für eine rentable Produktion, heißt es in einem Schreiben vom Dezember 2025. „Grenzüberschreitende Lieferketten sind von entscheidender Bedeutung: In Ohio gefertigte Motoren werden in Autos in Guanajuato und Ontario verbaut, während in Mexiko und Kanada produzierte Getriebe und Komponenten US-Montagelinien beliefern.“ Das deckt sich mit der Position anderer ausländischer Pkw-Produzenten, auch der deutschen, von denen Audi, BMW und Volkswagen eigene Werke in Mexiko haben.