Wir haben für Sie die Sektoren im Blick

Die Experten der AHK Mexiko sind nah dran am Marktgeschehen. In regelmäßig aktualisierten Branchenberichten fassen sie die aktuellen Entwicklungen in den für deutsche Unternehmen relevanten Sektoren zusammen:

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Automobilindustrie

Mexiko ist mit 3,8 Mio. gefertigten Einheiten (2017) weltweit der siebtgrößte Automobilproduzent und der größte in Lateinamerika.

Neben Volkswagen und Audi (beide Werke liegen im Bundesstaat Puebla) fertigen Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Hyundai, KIA Motors, Nissan, Mazda und Toyota im Land. Das Gemeinschaftswerk von Nissan und Daimler in Aguascalientes startet 2018 mit der Produktion (A-Klasse und Modelle der Marke Infiniti), BMW produziert ab 2019 in San Luis Potosí den Dreier.

Auch das Interesse der chinesischen Hersteller an Mexiko steigt. BAIC (Bejing Automotive Industry Corporation) fertigt seit Mai 2017 zusammen mit dem mexikanischen Unternehmen AT Motors im Bundesstaat Veracruz. Ferner haben die chinesischen OEMs JAC Motor (Anhui Jianhuai Automotive) und Great Wall haben Investitionen in Mexiko angekündigt.

Im globalen Vergleich ist Mexiko viertgrößter Autoexporteur; knapp 80 Prozent der Fertigung geht ins Ausland. Zugleich ist Mexiko nach Kanada der zweitgrößte Produzent von Personenkraftwagen für den US-Markt. Der Export ist aber keineswegs auf Nordamerika beschränkt, Audi beispielsweise produziert den Q5 in seinem 2016 eingeweihten Werk für den Weltmarkt.

Die Ansiedlung von Zulieferbetrieben ist noch nicht abgeschlossen und die Nachfrage vor allem nach Unternehmen der Tier-2 und Tier-3 weiterhin groß. Für den Standort Mexiko sprechen neben den Freihandelsabkommen die wettbewerbsfähigen Personalkosten, die junge und engagierte Arbeitnehmerschaft, die gute Infrastruktur, die historisch gewachsene automobile Fertigungskultur und der Vorteil, im Dollarraum zu fertigen. Ebenso gibt es gute Marktchancen für Dienstleister und Hersteller von Vorprodukten.

Aktueller Marktbericht (Mexikos Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt)

Kontakt: Ruth Meier, Projektreferentin Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Die im Dezember 2013 verabschiedete Liberalisierung des mexikanischen Energiesektors bedeutet eine fundamentale Neuausrichtung und schafft neue Spielregeln für private Investoren und staatliche Akteure. So wird das Monopol des staatlichen Stromerzeugers und -versorgers CFE (Comisión Federal de Electricidad) in der öffentlichen Stromversorgung durch die Schaffung eines freien Großhandelsmarktes beschnitten. Parallel dazu schafft die Reform Anreize für den Ausbau der Nutzung der erneuerbarer Energien.

Die gesetzlich verankerten Zielvorgaben sind ehrgeizig. So soll 2024 rund 35% des Energiebedarfs aus nicht fossilen Energiequellen gedeckt werden. Die neu am Strommarkt zugelassenen privaten Unternehmen können verpflichtet werden, den von ihnen angebotenen Strom zu festen Anteilen aus erneuerbaren Quellen zu produzieren oder zu beziehen.

Ende März 2016 vergab die Regierung im Rahmen einer Auktion für erneuerbare Energieträger die ersten Konzessionen unter den Bedingungen der Energiereform. 75% der vergebenen Elektrizitätslieferung entfiel auf auf Solaranlagen, 25% auf Windkraftprojekte. Großen Bedarf gibt es bei der Energieeffizienz. Dem Branchenverband der spezialisierten Beratungsunternehmen Amexgen zufolge liegt das Potenzial der Einsparungen bei 20 Prozent. Wenn allein die 212.000 kleinen und mittleren Unternehmen im Land dieses Potenzial nutzen, würde sich der CO2- Ausstoß nach Angaben des Verbandes um jährlich 15 Millionen Tonnen reduzieren.

Laut einem von der Consultingfirma EY Global erstellten Index ist Mexiko nach Chile in Lateinamerika das zweitattraktivste Land für Investitionen im Bereich erneuerbare Energien. Weltweit belegt es Rang neun. Der Information zufolge kam Mexiko im dritten Quartal 2017 auf Investitionen in Höhe von 2,8 Milliarden USD. Laut dem mexikanischen Energieministerium kommen die meisten FDI im Bereich der erneuerbaren Energien von spanischen Unternehmen, gefolgt von US-Firmen und deutschen Unternehmen. (Mit Informationen von GTAI).

Aktueller Marktbericht (Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Mexiko)

Factsheet Solarenergie

Factsheet Bioenergie

Kontakt: Kira Potowski, Abteilungsleiterin Trade & Investment

Gesundheitssektor

 

Das nationale Gesundheitssystem in Mexiko befindet sich in einem Transformationsprozess, der sich aus dem demografischen und epidemiologischen Wandel der mexikanischen Bevölkerung in den letzten Jahren ableitet. Chronische nicht-übertragbare Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Nierenerkrankungen nehmen stark zu.

Die pharmazeutische Industrie in Mexiko steht im Lateinamerika-Vergleich an zweiter Stelle und ist zugleich einer der strategischen Sektoren für das Land. Derzeit zeichnet sich Mexikos Pharmaindustrie durch eine große Dynamik aus. Die Importe von pharmazeutischen Produkten im Jahr 2016 betrugen etwa 3,75 Milliarden US-Dollar und kamen hauptsächlich aus den USA mit einem Anteil von 26 Prozent, Deutschland mit 18 Prozent, Frankreich mit 11 Prozent und der Schweiz mit 6,5 Prozent. Im Jahr 2016 belief sich das Marktvolumen auf 13,6 Milliarden US-Dollar. Die Verbesserung des regulatorischen Rahmens und die Präsenz der U.S. Food and Drug Administration (FDA) in Mexiko dazu beigetragen, die Transparenz und die Medikamentenstandards im Land zu erhöhen.

Zugleich spielt die Medizintechnik in Mexiko auch eine wichtige Rolle für die Wirtschaft des Landes. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik und Geographie (INEGI) wird dieser Sektor bis 2020 jährlich um gut 5 Prozent wachsen. 90 Prozent der Medizintechnik wird dabei aus dem Ausland importiert. Einige der 2016 am meisten importierten Produkte waren medizinische Geräte für die künstliche Beatmung, Instrumente und Geräte, die UV-, sichtbare oder IR-Strahlung verwenden, Computertomographiescanner, Röntgengeräte sowie Radiographie- und Strahlentherapiegeräte.

Das nationale Gesundheitssystem in Mexiko fordert eine intensive Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Organisationen, um die großen Herausforderungen zu meistern. Hierzu zählen die Kostendeckung, die Steigerung der Qualität medizinischer Behandlungen und die landesweite Abdeckung der Gesundheitsdienstleistungen. 

Aktueller Marktbericht (Mexikos Gesundheitssektor)

Marktstudie Gesundheitswirtschaft

Branchenprofil Medizintechnik

Branchenprofil Pharma

Kontakt: Indira Miranda, Projektreferentin Gesundheitswesen, Lebensmittel und Getränke

Luft- und Raumfahrt

Mexiko hat sich in den vergangenen Jahren als bedeutender Standort für die Luftfahrtindustrie etabliert und gehört zu den sechs wichtigsten Zulieferern des US-amerikanischen Luftfahrtsektors. Von 2004 bis 2013 konnte die Branche ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 18 Prozent verzeichnen.

75 Prozent aller Auslandsinvestitionen stammen aus den USA und Kanada, die restlichen 25 Prozent aus Europa. Mittlerweile sind rund 300 Unternehmen aus den Bereichen Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Wartung und Reparatur in Mexiko ansässig. Der Großteil der Unternehmen der Branche hat sich in den Bundesstaaten Baja California, Sonora und Querétaro angesiedelt. Aufgrund der wettbewerbsfähigen Lohnkosten und den gut ausgebildete Fachkräften ist auch für die Zukunft ein starkes Wachstum des Sektors zu erwarten, das auch deutschen Unternehmen gute Geschäftschancen bietet.

Aktueller Marktbericht (Mexikos Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt)

Kontakt: Ruth Meier, Projektreferentin Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt 

Nahrungsmittel und Getränke

Nahrungsmittel

Die Nahrungsmittelindustrie gehört zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweigen Mexikos. Das liegt vor allem am boomenden Exportgeschäft. Für 2018 wird ein Exportvolumen in Höhe von 35 Milliarden US-Dollar erwartet; damit wäre Mexiko weltweit der zehntgrößte Exporteur.

Der Sektor für verarbeitete Lebensmittel profitiert von der steigenden Bevölkerungszahl und der zunehmenden Kaufkraft der Konsumenten. Dabei ist vor alem bei der städtischen Bevölkerung ein klarer Trend zu Convencience Food zu beobachten.

Die Produktion dieses Sektors betrug 111 Milliarden US-Dollar (2016), der Konsum belief sich auf knapp 115 Milliarden US-Dollar (2017). Für den Zeitraum von 2017 bis 2022 wird von einem jährlichen Absatzplus von 5 Prozent ausgegangen.

Mexiko ist der zweitgrößte Anbieter von verarbeiteten Lebensmitteln für den US-Markt. 2016 lieferten mexikanische Exporteure Produkte im Wert von 8,3 Milliarden US-Dollar ins Ausland, den Großteil davon die USA.

Aufgrund der international wettbewerbsfähigen Kosten, der strategisch günstigen geografischen Lage sowie der spezialisierten Arbeitskräfte entwickeln sich die direkten Auslandsinvestitionen in dem Sektor dynamisch und betrugen 2016 insgesamt 790 Millionen US-Dollar; akkumuliert über den Zeitraum von 2010 bis 2016 beliefen sie sich auf 6,4 Milliarden US-Dollar.

Getränke

Die Getränkeindustrie in Mexiko zeichnet sich ebenfalls durch ein positives Marktwachstum aus. Während im Jahr 2013 der Marktwerkt dieses Sektors 67,8 Milliarden US-Dollar betrug, wird für das Jahr 2018 mit einem Wachstum von 5,1 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 87,1 Milliarden US-Dollar gerechnet.

Der mexikanische Sektor für Getränke setzt sich zu 60 Prozent aus alkoholischen und zu 40 Prozent aus nicht-alkoholischen Getränken zusammen. Der Hauptumsatz wird in den Bereichen Erfrischungsgetränke, Wasser und Bier erzielt. Eine mexikanische Besonderheit des Softdrink-Sektors ist die Steuer auf kalorienreiche Lebensmittel. Laut Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat sich jedoch seit 2016 die Produktion von Softgetränken mit einem jährlichen Wachstum von 1,2 Prozent trotz der Zuckersteuer positiv entwickelt.

Mexiko stellt für Deutschland im Bereich der Nahrungsmittel und Getränke ein wichtiges Exportziel mit Warenlieferungen in Höhe von rund 80 Millionen US-Dollar dar. Für die deutschen Hersteller bietet die Belieferung des Marktes mit „typisch deutschen“ Nischenprodukten wie z.B. Bier oder Weißwein weitaus bessere Chancen als der Export von Massenprodukten.

Der Schwerpunkt der mexikanischen Exportwirtschaft liegt auf alkoholischen Getränken. Weltweit ist Mexiko der sechstgrößte Exporteur, im lateinamerikanischen Vergleich belegt das Land den ersten Rang.

Aktueller Marktbericht

Kontakt: Indira Miranda

Rohstoffsektor

Bergbau

Mexikos Bergbausektor und die Metallgewinnung machen zusammen 9% des industriellen BIP aus. Metalle werden in Mexiko heute in Größenordnungen abgebaut, die früher undenkbar waren. So weist Mexikos Investitionsagentur ProMéxico darauf hin, dass in den gut 300 Jahren von 1521 bis 1832 insgesamt 191 Tonnen Gold und 33.000 Tonnen Silber im Land abgebaut wurden. Zum Vergleich: Allein in den zehn Jahren von 2005 bis 2014 betrug die Goldproduktion 733 Tonnen und die Silberproduktion 42.000 Tonnen.

Möglich sind diese Fördermengen dank neuer geologischer Ansätze und dem Einsatz moderner Technologie. Deutsche Technologie und deutsches Know-How können hierzu einen noch größeren Beitrag leisten als in der Vergangenheit. Nicht nur bei Gold und Silber, denn Mexiko ist bei der Förderung von zehn Metallen in den internationalen Top Ten vertreten – von Silber auf Platz eins bis Kupfer auf Rang zehn.

Kontakt: Sabine Schulte

 

Erdöl und Erdgas

Mexiko ist der weltweit zehntgrößte Erdölproduzent. 2013 haben die politischen Kräfte in einem in der mexikanischen Geschichte beispiellosen politischen Konsens eine tiefgreifende Energiereform beschlossen. Mit ihr endet das Monopol des Staatskonzerns Pemex. Dadurch soll vor allem ausländischen Investoren der Weg auf den mexikanischen Markt geebnet und die Produktion gesteigert werden.

Nachdem Ende 2016 die erste Ausschreibungsrunde mit der Vergabe von Förderkonzessionen in Tiefengewässern des Golfs von Mexiko erfolgreich schloss, werden seit Juni 2017 in vier Abschnitten insgesamt 41 Blöcke an private Investoren vergeben. So hält die deutsche DEA seit dem 19. Juni 2017 einen Anteil von 30 Prozent am Flachwasserblock 2 im Rahmen der Bieterrunde 2.1. Pemex hält 70 Prozent.

Bei verarbeiteten Mineralölprodukten leidet Mexiko unter einem Defizit von fast 16 Mrd. US$. Die mexikanische Regierung plant für die kommenden Jahre umfangreiche Investitionen, um unabhängiger von Kraftstoffimporten zu werden. Dadurch soll die Produktion bis 2029 um durchschnittlich 1,4% pro Jahr zunehmen. (Mit Informationen von Germany Trade and Invest).

Aktueller Marktbericht (Rohstoffsektor)

Publikation "Doing Business in the Oil & Gas Sector: Opportunities for German Companies 2018"

Kontakt: Julia Groß

Umwelttechnologien

Die Nachfrage nach Umwelttechnik hat in den vergangenen Jahren kräftig zugenommen, denn die steigende Bevölkerungszahl und die zunehmende Industrialisierung stellt Mexikos Abwasser- und Abfallmanagement vor große Herausforderungen.

Innovative Lösungsansätze sind gefragt, weil klimatische Bedingungen (Dürre und Überschwemmungen) sowie das starke Bevölkerungswachstum vor allem in den urbanen Zentren die Wasserversorgung und -entsorgung vor Probleme stellen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wasservorkommen im Land sehr ungleich verteilt sind; etwa 75% der Bevölkerung lebt in wasserarmen Gebieten.

Besonders in Mexiko-Stadt stehen die Wasserversorgung und das Abwassersystem vor komplexen Aufgaben: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in der Hauptstadt ist mit 300 Litern am Tag doppelt so hoch wie in Deutschland. Zugleich leben 1,25 Millionen Hauptstädter ohne fließendes Wasser, eine weitere Million hat nur unregelmäßigen Zugang.

Landesweit werden etwa 75% der Wasservorkommen für die Landwirtschaft, 14,6% für die Privathaushalte, 5,5% für die Energieproduktion und 4,1% für die Industrieproduktion genutzt. Das Nationale Wasserprogramm (Programa Nacional Hídrico) sieht vor, dass bis 2018 mindestens 63% des Abwassers geklärt werden muss und acht Millionen Menschen der direkte Zugang zu Trinkwasser ermöglicht werden soll.

In der Abfallwirtschaft steigt Studien zufolge die täglich erzeugte Pro-Kopf-Abfallmenge auf 1,1 kg im Jahr 2020 (zum Vergleich: 2005 betrug sie 0,9 kg). Laut mexikanischem Umweltministerium ist das derzeitige Abfallmanagement eine der Hauptursachen für die hohe Luftverschmutzung: 66% der Abfälle werden auf Deponien entsorgt (rellenos sanitarios), 20% auf Müllkippen unter freiem Himmel (vertederos a cielo abierto) und 8% in kontrollierte Abfallhalden (sitios controlados de residuos). Nur 5% der Abfälle werden recycelt.

Aktueller Marktbericht

Kontakt: Jakob Müller, Projektreferent Umwelt